Loslösung

Thema 01/2010

Zum Jahresauftakt 2010 steuerte His Holiness Sacinandana Swami auf Simhachalam einen aufschlussreichen Vortrag bei. Es ging um das Thema Loslösung, welches für Spiritualisten eines der zentralen Inhalte bedeutet. In seiner Ansprache gab Sacinandana Swami Hilfestellungen für ein angemessenes Herangehen an das Thema. Für manchen überraschend, jedoch vom vedischen System her betrachtet als Selbstverständlichkeit betrachtet, muss man unterscheiden zwischen

a) dem Üben der Loslösung (vairagya)

und

b) der Stufe verwirklichter Loslösung (virukta)

Sacinandana Swami beim Vortrag
Sacinandana Swami beim Vortrag

Dieser Punkt erleichtert es, uns damit abzufinden, wenn wir eben noch nicht wirklich losgelöst sind sondern uns noch mit unseren Anhaftungen auseinander zu setzen haben. Das Abstand nehmen erzeugt mentale Unruhe, ja Unwohlgefühl oder ähnliches. Damit muss gerechnet werden, so Sacinandana Swami. Wir müssen also kein schlechtes Gewissen haben, wenn wir bei solchen Übungen nicht spontan glücklich sind, denn es geht jedem so, der sich einer Reinigung unterzieht! Diese Einsicht erleichtert uns von einem etwaigen sozialen Druck, den Helden spielen zu müssen. Nein, das Stadium der Reinigung ist eben manchmal bitter.

Wer sich auf diese Weise einer systematischen Kur unterzieht und Dienste zur Freude Gottes ausführt erhält die Segnungen der reinen Gottgeweihten und Shri Krishnas und wird allmählich mit verwirklichter Loslösung beschenkt. Das menschliche Leben ist für solche tapasya (Entsagung) bestimmt.

Ein Antrieb, sich solcher tapasya zu unterziehen, ist die Einsicht, dass bestimmte Dinge im Leben einfach nicht zu dauerndem Glück führen können. Diese unnötigen Anhaftungen werden in Sanskirt anarthas genannt.

Hoffnung gibt auch der Hinweis darauf, dass man es bei der Übung von tapasya nicht übertreiben darf, weil man sich sonst in eine Stresszone begibt, in der man nicht überdauern und dann wieder herunter fallen wird. Ein verharren in der Komfortzone ist ebenfalls nicht empfehlenswert. Wenn wir uns einfach nur dahin treiben lassen, wird sich im Leben nicht viel abspielen, jedenfalls nicht viel, was mit dem ewigen Glück der Seele zu tun hat. Man sollte sich daher angemessene Ziele setzen, so Sacinandana Swami, ja man sollte Prioritäten im Leben haben, die mit der eigenen Natur im Einklang und verkraftbar sind. Ohne diese bewusste Stabilität wird man ein leichter Fall für die Energien der Illusion!

Ein lustiges Beispiel für einen Übenden gab Sacinandana Swami wie folgt:

Bei einem Fest werden Gulabjamuns (in Zuckerwasser eingelegte Bällchen) gereicht. Wenn der Servierer zu dem Übenden kommt, tut sich dieser schwer. Soll ich jetzt ja oder nein sagen? Wenn er nein sagt, dann tut ihm das wohl etwas weh; wegen der fehlenden Gaumenfreude. Wird er vielleicht dem Servierer doch noch nachrufen, zurück zu kommen? Ja, so ist das oft im Leben, aber wenn wir Vorsätze haben, dann wird es leichter. Außerdem ist es eben wichtig, Freude in einer förderlichen Tätigkeit für Shri Krishna zu empfinden. Bhakti-Yogis sagen eben gleichzeitig NEIN zu Dingen, die nicht zu dauerhaftem Glück führen und JA zu glückverheißenden Aktivitäten. Nur wer auch etwas annimmt, kann loslassen!!! Es wird in diesem Zusammenhang das Beispiel der Raupe gegeben, die ein Blatt nur verlässt, wenn sie auf einem anderen Blatt bereits Halt gefunden hat. So bewegen wir uns Schritt für Schritt in den Bereich reinen hingebungsvollen Dienstes.

Ein spirituell stabiles Jahr wünscht Ihnen

Ihr Diener
Parivadi das