Ewigkeit

Thema 06/2004

Immer wieder beschäftigen sich Philosophen mit dem Thema Zeit . Was ist Zeit? Gibt es Zeitreisen in die Vergangenheit oder die Zukunft?

Hier zwei Aussagen zum Phänomen Zeit:

"Die Zeit kommt aus der Zukunft, die nicht existiert,
in die Gegenwart, die keine Dauer hat, und geht in die
Vergangenheit, die aufgehört hat zu bestehen." (Augustinus)


"Dreifach ist der Schritt der Zeit: Zögernd kommt die
Zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das Jetzt entflogen,
ewig still steht die Vergangenheit." (Schiller)

Die Zeit scheint unfassbar, unaufhaltsam, unsichtbar.

Die Zeit wird in der Veränderung der Welt sichtbar. Wolfgang Wiedergut (Varaha das), ein bekannter Vertreter alternativen Denkens, hat folgende interessante These aufgestellt:

Im Grunde nehmen wir ständig gleichzeitig Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit wahr. Alle drei Zeitzustände sind untrennbar miteinander verbunden. Ein sehr interessanter Aspekt hierbei ist, dass wir nur in der Gegenwart die sogenannte Vergangenheit wahrnehmen können. Beispielsweise sind wir beim Studium der Geschichte ausschließlich auf Informationen angewiesen, die wir heute greifbar erfassen können, zum Beispiel Bücher, Filme, Bauten, hinterlassene Gegenstände etc. Wer weiss schon, wie es wirklich gewesen ist? Nun, Gott, der Allwissende, die Überseele im Herzen, Er könnte uns genau sagen, wie sich alles zugetragen hat. Aber Er ist auch allmächtig und könnte daher Dinge der Vergangenheit auch anders erscheinen lassen. Wer könnte hiergegen etwas unternehmen? Damit muss man Varaha das recht geben. Sogenannte Vergangenheit ist nur im Jetzt und Heute wahrnehmbar und damit von Relevanz, und wenn Shri Krishna etwas anders erscheinen lassen möchte, dann können wir dagegen nichts unternehmen. Es ist also letztendlich müßig, zuviel Zeit mit der Forschung in der Vergangenheit zu verschwenden.

Wie sieht es jetzt mit der Zukunft aus? Auch hier bietet Varaha das eine interessante Perspektive an. Er sieht auch die sogenannte Zukunft im wesentlichen als etwas gegenwärtiges an. Er führt folgendes Beispiel an:

Das Haus, das zukünftig entstehen wird, existiert bereits gedanklich in der Vorstellung des Bauherrn, dann im Plan des Architekten und manifestiert sich dann durch entsprechende technische Bemühungen. Selbstverständlich ist die durch das karma-Gesetz vorherbestimmte Zukunft genauso flexibel wie die Vergangenheit, denn Gott kann auch die Zukunft aktiv gestalten. Dies führt zwangsläufig zur Schlussfolgerung, dass Propheten oder Seher zwar ehrlich ihre gegenwärtige Perspektive wiedergeben mögen, jedoch diese nicht absolut ist. Alles hängt von der Sanktion Gottes ab. Daher schlagen Prophezeihungen wohl so oft fehl.

Dennoch bleibt festzuhalten, dass unsere Wahrnehmung insgesamt immer der Gegenwart zuzurechnen ist und Vergangenheit und Zukunft nur bestimmte Horizonte des gegenwärtigen Bewusstseins sind. Wir befinden uns immer im Hier und Jetzt, auch wenn wir Geschichtsbücher oder Zukunftsprognosen lesen. Zeitreisen sind daher rein abstrakte gedankliche Spekulationen. Wir können nicht in der Zeit reisen, sondern befinden uns immer in der für uns maßgeblichen Gegenwart. Dabei mag sich unsere Zeiterfahrung von der eines anderen unterscheiden. Dennoch ist alles, was wir wahrnehmen, immer die Gegenwart.

Es stellt sich daher die berechtigte Frage, ob es Zeit überhaupt gibt?

Die Veden bezeichnen die Zeit als kala . Die Bedeutung dieses Ausdrucks ist in etwa Antreiberin. Die Zeit bewirkt die Veränderung in der materiellen Welt im Zyklus von Schöpfung, Erhaltung und Vernichtung. Wer im äußeren Bewusstsein verhaftet ist, der wird unweigerlich durch den zerstörerischen Aspekt der Zeit beeinflusst, wird durch Existenzängste geplagt, wird zum Existenzialist, der die Sinnlosigkeit des Daseins propagiert, oder er verdrängt die Vergänglichkeit des Daseins und versucht, die flüchtigen Genüsse der Welt zu kosten, oder aber er vegetiert vor sich hin.

Spiritualisten versuchen, sich auf die ewige Gegenwart zu konzentrieren, die alleine Substanz hat. Hier spielen Konzentration, yoga, Disziplin etc. eine wichtige Rolle. Der Spiritualist lenkt den Geist mittels geschärfter Intelligenz auf die wesentlichen Dinge. Er denkt nicht ständig darüber nach, was früher war und was wohl kommen wird. Vielmehr konzentriert er sich auf die ewige Gegenwart Gottes, Dessen ewige Barmherzigkeit, Dessen ewigen Namen, Dessen ewige Gestalt und Dessen ewige Spiele. Auf diese Weise schwinden die Sorgen um vergängliches dahin. Der Spiritualist ist daher der wahre Realist, da er sich praktisch mit dem Hier und Jetzt identifiziert, das ewig andauert. Ein Spiritualist beschreitet daher den Pfad der Ewigkeit.

Ein Beispiel für die ewige Gegenwart Gottes ist der Hare-Krishna-Maha-Mantra:

Hare Krishna Hare Krishna
Krishna Krishna Hare Hare
Hare Rama Hare Rama
Rama Rama Hare Hare

Wenn wir uns auf diese Klangschwingung konzentrieren, werden wir mehr und mehr von der Vergänglichkeit losgelöst. Natürlich sollten wir keinen Alleingang machen, sondern geeignete Ratschläge erfahrener Spiritualisten einholen, um das Gleichgewicht zwischen der noch bestehenden materiellen Bedingtheit und der spirituellen Perspektive halten zu können.

Ihr Diener

Parivadi das