Abendländische Kultur I

Thema 06/2006

Wie wir im letzten Beitrag gesehen haben hat Europa dann eine Chance, wenn es sich auf die spirituellen Grundwerte besinnt, diese in den Vordergrund stellt und dafür kämpft. Es liegt auf der Hand, dass alles andere keinen Bestand haben wird, denn die materielle Realitäten sind nun einmal vergänglich, und es findet ständig ein Wettstreit der drei Erscheinungsweisen statt:

"Manchmal gewinnt die Erscheinungsweise der Tugend die Oberhand und besiegt die Erscheinungsweise der Leidenschaft und Unwissenheit, o Nachkomme Bharatas. Manchmal besiegt die Erscheinungsweise der Leidenschaft Tugend und Unwissenheit, ein anderes Mal besiegt die Erscheinungsweise der Unwissenheit Tugend und Leidenschaft. Auf diese Weise findet ein ständiger Kampf um Vorherrschaft statt." (Bhagavad-gita 14.10)

Die verschiedenen materialistischen Kulturen werden von verschiedenen Mischungen der drei materiellen Erscheinungsweisen erhalten. Wie in einem Kaleidoskop finden nun eben ständig Umwälzungen statt. Nur wenn Schritte hin zu transzendentaler Sinngebung (suddha-sattva) hin unternommen werden, kommt man in einen stabilen Bereich, der die Dauerhaftigkeit einer Manifestation garantiert. Es gilt daher herauszufinden, welche Inhalte europäischer Kultur transzendentalen Charakter haben, um diese dann hervorzuheben, zu leben und glücklich zu werden.

Materielles Gutmenschentum (materielle Tugend) reicht nicht aus, um dauerhafte Systeme zu etablieren, denn kosmische Tugend ist nicht direkt mit der Transzendenz verbunden, sondern nur indirekt. Materielle Tugend gleicht einer guten Kopie der Transzendenz, jedoch fehlt die direkte Anbindung an den göttlichen Ursprung. Darum ist materielle Tugend sehr anfällig dafür, auf Abwege zu geraten. Sie ist nicht stabil und es fehlt die Kraft für dauerhafte Dominanz. Daher kann man beobachten, dass Menschen, die aus sich heraus Gutes vollbringen möchten, meistens in Frustration enden.

Wo nun finden sich transzendentale Werte? Jeder vergleichend tätige Theologe wird zugeben, dass die heiligen Schriften dieser Welt - was die Basiswerte angeht - Einigkeit zeigen:

"Furchtlosigkeit, Läuterung des Daseins, Kultivierung spirituellen Wissens, Mildtätigkeit, Selbstbeherrschung, Darbringung von Opfern, Studium der Veden, Entsagung, Einfachheit, Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Freisein von Zorn, Ausgeglichenheit, Abneigung gegen Fehlerfinden, Mitleid mit allen Lebewesen, Freisein von Habsucht, Freundlichkeit, Bescheidenheit, feste Entschlossenheit, Stärke, Nachsicht, Standhaftigkeit, Sauberkeit und das Freisein von Neid und dem leidenschaftlichen Verlangen nach Ehre - diese transzendentalen Eigenschaften, o Nachkomme Bharatas, zeichnen heilige Menschen aus, die von göttlicher Natur sind." (Bhagavad-gita 16.1 bis 16.3)

Wir Europäer sollten der Welt zeigen, dass wir diese Werte in den Mittelpunkt stellen wollen. Das wäre eine Identifikation, mit der wir freudig in die Zukunft sehen könnten.

In den folgenden Beiträgen nun wollen wir mal sehen, wie es mit den Werten in einzelnen Bereichen europäischer Kultur bestellt ist.

Euer Diener

Parivadi das