Abendländische Kultur II

Thema07/2006

Vorwort

Wir möchten uns hier auf wenige Beispiele beschränken, denn als Vaishnavas erkennen wir an, dass Kultur immer eine unendlich vielgestaltige Angelegenheit ist. Dies gilt auch für transzendental fundierte Kultur. Manchmal kann man sehen, dass bestimmte fanatische Anhänger einer geistigen Richtung ihr Ideal durchsetzen möchten, ohne dabei jedoch zu sehen, dass es noch viel mehr gibt. Dogmatische Religionsführer müssen in diesem Zusammenhang genannt werden, die Gott auf eine bestimmte Offenbarungsquelle begrenzen und damit ausgrenzen anstatt zu integrieren. Es kommt dann zu Kreuzzügen, Inquisition, Vergasungen, Folter und ähnlichen Auswüchsen. Solch eingeengte Weltbilder haben im heutigen globalen Geschehen nichts verloren. Damit haben wir schon ein Stück Ballast europäischer Vergangenheit ausgemacht, den es über Bord zu werfen gilt.

Das neue Europa und die Länder Europas?

Die europäische Union, hervorgegangen aus der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Ist es das, was wir unter schützenswertem Europa verstehen?

Wessen Interessen schützen wir da? Zunächst einmal sind es wirtschaftliche Interessen. Die Menschen selbst sind im allgemeinen sehr skeptisch hinsichtlich dieses Konzeptes. Die EU steht für unkontrollierte Subventionswirtschaft, unübersichtliche und vom Bürger unabhängige Verwaltungstätigkeit, ohne klare Richtung. Die Beteiligung an Europawahlen fällt dementsprechend niedrig aus. Die Bürger ahnen längst, dass Neoliberalismus nichts besonderes hervorbringen wird. Demokratie, eine interessante Idee, ist auf der europäischen Ebene bisher nicht sichtbar geworden. Mit einer Fülle undurchdringlicher Rechtsvorschriften werden alle Bereiche des Lebens reglementiert, aber irgendwie hat der Mensch keinen Bezug zur Quelle der Administration. Kurzum, die europäische Verwaltung ist viel zu unübersichtlich, als dass sie vom Volk je verstanden werden kann. Der Verdacht ist berechtigt, dass diese Unklarheit geschürt wird, um bestimmten Interessengruppen verborgene Bereicherungsmöglichkeiten zu verschaffen. Kein Wunder also, dass die Staatsverdrossenheit immer mehr zunimmt.

Das friedliche Zusammenleben der europäischen Länder ist ein edles Anliegen, das es zu unterstützen gilt, aber wieder stellt sich die Frage nach den Grundwerten. Die europäische Verfassung konnte nicht verabschiedet werden. Warum? Sie ist nicht spezifisch genug. Sie ist einfach wieder nur ein neoliberales Konstrukt, das den finanzstarken Gruppen den weiteren Ausbau ihrer Machtstrukturen garantiert. Ansonsten gibt sie nicht viel her. Die Bürger bleiben skeptisch. Was ist die Alternative? Das ist eine berechtigte Frage? Wir benötigen mutige Politikerpersönlichkeiten, die über den Tellerrand wirtschaftlicher Sachzwänge hinaus blicken und über die wahren Werte des Lebens sprechen und diese auch leben. Es geht also gar nicht so sehr um den Namen des Systems, sondern um die Persönlichkeiten, die es anleiten. Daher schrieb Shrila Prabhupada:

"Wenn heute alle Menschen krishnabewusst werden würden, wäre selbst die demokratische Regierung der heutigen Zeit genau wie das Königreich des Himmels. Sie würden Menschen von der Art Dhruva Maharajas wählen. Wenn das Amt des Regierungsoberhauptes von solch einem Vaishnava bekleidet werden würde, wären alle Probleme satanischer Regierungen gelöst. Die jüngere Generation der heutigen Zeit versucht in verschiedenen Teilen der Welt mit Begeisterung, die Regierung zu stürzen, doch solange die Menschen nicht krishnabewusst wie Dhruva Maharaja sind, werden sie keine nennenswerten Veränderungen in der Regierung zustande bringen, da Menschen, die auf Biegen und Brechen nach einer politischen Position trachten, nicht an das Wohl der Allgemeinheit denken können. Sie sind nur eifrig bemüht, ihre angesehene Position und ihre finanziellen Einnahmequellen sicherzustellen. Sie haben daher wenig Zeit, an das Wohl der Bürger zu denken." (Kommentar zu Shrimad Bhagavatam 4.9.66)

Dhruva Maharaja war ein exemplarisch gottesbewusster König, der mit entsagtem Geist für das Wohl der Bevölkerung regiert hat.

Wir können also noch so viel Papier bedrucken. Es wird nichts fruchten, solange das Volk nicht durch gute Qualitäten der Führungscharaktere inspiriert wird, den Staat von Herzen zu unterstützen. Der unpersönliche, rein an Profitinteressen ausgerichtete Führungsstil heutiger Machart, kann einfach kein beseeltes Wesen im Inneren erfassen.

Fortsetzung folgt!

Euer Diener

Parivadi das