Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit

Thema 08/2004

Wir verdanken der französischen Revolution, dass obige Grundwerte Eingang in das gesellschaftliche Leben Europas und vieler anderer Staaten gefunden haben. Die Machthaber sind jedoch geschickt darin gewesen, die schönen Begriffe für sich nutzbar zu machen. Es ist eine Sache, wenn Papier beschriftet wird, sei es das Deutsche Grundgesetz oder die Verfassung der USA. Eine andere Tatsache ist, dass im praktischen Leben oft nicht viel vom Geist der Vorgaben zu spüren ist.

Hier einige Betrachtungen zu den wichtigen Leitwerten westlicher Systeme:

In der Rechtswissenschaft ist längst bekannt und wird auch gelehrt, dass Freiheit dort seine Grenzen haben muss, wo die Freiheit anderer gefährdet ist. Auch wird gelehrt, dass die einzelnen Grundwerte für sich keine absolute Geltung beanspruchen können, sonderen mit den anderen Grundwerten harmonisch zusammenwirken sollen. Beispielsweise würde ein Faustrecht des Stärkeren, was dessen Freiheitsrecht zu sein scheint, dem Gedanken der Brüderlichkeit widersprechen. Wer das ganze Kapital an sich zieht, wie das im Kapitalismus üblich ist, nimmt den anderen mehr und mehr die Möglichkeit, sich frei zu entfalten und vergisst den Aspekt sozialer Verpflichtung. Mit der Ausrede internationaler Konkurrenz im Rahmen der Globalisierung werden heute dem Anwachsen der kapitalorientierten Machtbestrebungen immer weniger Riegel vorgeschoben. Dieser Neo-Liberalismus führt mehr und mehr zum Existenzkampf der Masse und zum Anwachsen des Reichtums bei einigen wenigen. Damit haben die Kapitalisten das Erbe der Monarchen angetreten. Brüderlichkeit existiert zwar auf dem Papier, wird jedoch auf ein mittelalterliches Niveau des Gebens von Almosen zurückgedrängt. Von Chancengleichheit kann hier nicht mehr gesprochen werden.

Interessanterweise kann Sozialstaatlichkeit ja auch nicht eingeklagt werden. Sozialstaatlichkeit ist nur ein Leitsatz, der eben mehr oder weniger lediglich eine verbale Ausschmückung für den Vernichtungswettbewerb auf globaler Ebene ist. Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellen muss, ist nur, bei welchem Extrem dieser Entwicklung es einen Kollaps geben wird. Die Geschichte zeigt, dass solche Einseitigkeiten auf jeden Fall ein Ende finden werden.

Die Hare-Krishna-Bewegung tritt für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ein, weil Shri Krishna uns Freiheit gewährt, jedem gleichgesinnt ist und jedem seinen Anteil zur Verfügung stellt. Er wünscht, dass die Lebewesen in dieser Welt sinnvolle Strukturen schaffen, die es dem Individuum erlauben, durch menschenwürdige Tätigkeiten ein sinnerfülltes Leben zu führen. Er wünscht sich nicht, dass Heere von Arbeitslosen Formulare ausfüllen, um dann wieder abgekanzelt zu werden. Die Staatsorganisatoren leisten keinen guten Dienst in dieser Hinsicht. Freilich - und das ist ein wichtiger Aspekt in dieser Problematik - sind sie nicht frei. Da sie selber von Sachzwängen beherrscht werden, muss man die Frage stellen, wer denn überhaupt die Verantwortung trägt. Die Antwort lautet, dass wir die Verantwortung alle zusammen selber tragen. Unsere Handlungen in der Vergangenheit haben den Zustand, in dem wir uns befinden, heraufbeschwört. Wir sind jedoch nicht hilflos mit dieser Situation konfrontiert, sondern können göttliche Hilfestellungen nutzen, um uns bewusstseinsmäßig und in der Folge auch sozial und individuell alternativ zu situieren. Wir können nicht warten, bis die Welt verbessert wird, sondern sollten spirituelle Quellen für uns und andere nutzbar machen. Ein Bewusstseinswandel wirkt auch auf die karmischen Gesetzmäßigkeiten ein, sowohl auf individueller als auch gesellschaftlicher Ebene. Spirituelle Bildung ist somit von größter Bedeutung und als die größte Wohlfahrtsarbeit anzusehen. Auf diese Weise lassen sich die von der demokratischen Grundordnung festgelegten Werte mit wirklichem Leben erfüllen.

Ihr Diener

Parivadi das