Abendländische Kultur III

Thema 08/2006

Europäisches Leben im Dorf, in der Stadt

Nach der europäischen Großstruktur wollen wir uns der Kleinstruktur zuwenden, die ja nun übersichtlicher ist. Was fällt auf? Ist es Europa, was wir da sehen? Menschen stehen auf, frühstücken, setzen sich ins Auto, fahren zur Arbeit, wenn sie denn eine haben, ärgern sich über das schlechte Wetter, schalten das Fernsehen an mit einer riesen Auswahl an europäischen Errungenschaften, von RTL bis ???

Was nun ist der europäische Faktor? Die Bier- und Weinzelte mit den zahllosen Wurstspezialitäten je nach geographischer Sitte? Die Kirmes-Feste mit tosendem Lärm aus Lautsprecherboxen? Die Jeans-Hosen? Die Style-Frisuren? Die Zuckerwatte? Gogos? Harry Potter? Aldi? Lidl? Bauhaus? Hela? Die Disco in der umfunktionierten Kirche? Die Tankstelle mit Fastfood und allem drum und dran? Die Konsumfreiheit in Fußgängerzonen? Döner Kebab? Kleinasien in Frankfurt? Genmanipulierte Massennahrung? Die Briefträger, die sich abhetzen? Die Arbeitslosen, die sich zuhause langweilen? Die ziellos umherirrende Jugend? Prall aus engen Hosen herausragende Hinterteile? Die Zigaretten- und Verhüterliautomaten? Riesige Traktoren, die die Felder zerdrücken? Schlachthäuser? Hühnermast- und Eierlegbatterien; dann Kopf ab? Pelztierfarmen für unsere edlen Damen? Wurstfabriken? Monokulturchemiemixagrarwirtschaft? Absterbende Kleinlandwirte und Tante-Emma-Läden? Hetzjagden in Wäldern unter Hörnerklang? Angelsport? Entsorgung unerwünschter Zellansammlungen nach Geschlechtsverkehr? Der mahnende Pastor, der hinter vorgehaltener Hand belächelt wird? Sekt um Mitternacht am Silvester nach dem Abendkonzert für die High Society in der Kathedrale vor dem gekreuzigten Jesus?

Der Autor entschuldigt sich hier ausdrücklich dafür, sollte dieses Stimmungsbild jemandem gegen den Strich gehen? Vaishnavas geben sich in der Regel Mühe, die Dinge in einer positiven Perspektive zu sehen. So sind wir in Europa sehr dankbar dafür, dass uns die Staatsordnung ermöglicht, in Freiheit unsere Spiritualität zu leben, den Maha-Mantra zu chanten, auf der Straße zu singen und zu tanzen, Tempel zu errichten, zu predigen, Krishna zu verherrlichen. Daher treten wir für dieses Europa ein. Wir wünschen uns einfach nur mehr Tiefgang in der Politik für Europa! Dazu sollten diese Beiträge eine kleine, wenn auch freche, Anregung geben.

Der Autor ist sicher über das Ziel hinaus geschossen, aber im Karneval, der doch zu Europa glücklicherweise auch noch gehört, sind Überzeichnungen doch erlaubt, oder?

Goura Goura

Euer Diener

Parivadi das

Resümee: Europa sollte sich entscheiden, ob es einen geistig edlen Wandel in der Welt unterstützen möchte hin zu mehr Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit, Mitleid mit der Kreatur, Reinheit. Damit würden wir gerade auch den Dichtern und Denkern unseres Vaterlandes einen großen Gefallen tun! Ein wichtiger Schritt hierzu wäre nicht zuletzt die Wiedereingliederung der Tiere als Rechtssubjekte in die Rechtsordnung. Im vedischen Staatswesen war der König auch für das Wohlergehen der Tiere verantwortlich.

"Die Grausamkeit gegen Tiere ist der Pflicht des Menschen gegen sich selbst entgegengesetzt." (Immanuel Kant)

"Grausamkeit gegen Tiere kann weder bei wahrer Bildung noch wahrer Gelehrsamkeit bestehen. Sie ist eines der kennzeichnendsten Laster eines niederen und unedlen Volkes." (Alexander von Humboldt)

Wahre menschliche Kultur gibt es erst, wenn nicht nur die Menschenfresserei, sondern jede Art von Fleischgenuss als Kannibalismus gilt." (Wilhelm Busch)

"Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung. ... Rein durch ihre physische Wirkung auf das menschliche Temperament würde die vegetarische Lebensweise das Schicksal der Menschheit äußerst positiv beeinflussen können" (Albert Einstein)

"Offenbar tritt in dem Maße, wie die Kultur sich hebt, an die Stelle der Fleischkost die Pflanzenkost" (August Bebel)

Warum folgen wir solch herausragenden Europäern denn nicht?