Thema Woche 17

Höherer Geschmack

Shri Krishna erklärt in der Bhagavad-gita das Grundprinzip der Erlangung höherer Freuden:

visaya vinivartante
niraharasya dehinah
rara-varjam raso 'py asya
param dristva nivartate

Übersetzung:

Die verkörperte Seele kann zwar von Sinnenfreuden zurückgehalten werden, doch der Geschmack für die Sinnenobjekte bleibt. Wenn sie jedoch solche Neigungen aufgibt, da sie einen höheren Geschmack erfährt, ist sie im Bewusstsein gefestigt.

Shrila Prabhupada kommentiert u.a.:

Solange man nicht in der Transzendenz verankert ist, ist es nicht möglich, von Sinnengenuss abzulassen. Den Genuss der Sinne durch Regeln und Regulierungen einzuschränken ist genauso, als wollte man einen Kranken im Genuss bestimmter Speisen einschränken. Der Patient jedoch liebt solche Einschränkungen nicht, weshalb er auch seinen Appetit auf diese Speisen nicht verliert. ... Wer aber im Verlauf seines Fortschritts im Krishna-Bewusstsein die Schönheit des Höchsten Herrn Shri Krishna gekostet hat, findet keinen Geschmack mehr an toten, materiellen Dingen. ..."

Man sieht manchmal wie Weltverbesserer oder Weltentsagende so tun, als ob sie nicht mehr auf einen Geschmack angewiesen sind. Sie wollen von allem einfach Abstand nehmen. Manche kasteien sich, bestrafen sich selbst, wenn sie in die Genussfalle treten. Es gibt z. B. Zen-Buddhisten, die sich peitschen lassen, wenn ein Gedanke im Geist erscheint, der die Meditation stört. Sie wollen den Geist entleeren und zeigen, dass man nichts benötigt.

Dies sind jedoch unvollständige Methoden, die das Wesen der ewigen Natur der Lebewesen nicht erfassen. Im Vedanta sutra heißt es:

Om ananda-mayo'bhyasat

Übersetzung: Von Natur aus ist der Höchste Herr voller Freude!

Auch die Lebewesen, die integralen Bestandteile Gottes, sind ihrem Wesen nach für eine freudvolle Existenz ausgelegt. Wenn dies unterdrückt wird, ohne eine Alternative zu kultivieren, führt dies zu Verdrängungserscheinungen, zu Perversionen, zu einer Versteinerung des Herzens oder zu Überheblichkeit, zu elitärem Gehabe. Man denkt dann womöglich, man sei besser als die anderen, weil man nicht so an groben Genüssen haftet. Jedoch ist man dann an seine Errungenschaften angehaftet, also auch wieder nicht in einer natürlichen Position. Der Weg des Krishna-Bewusstseins bietet hier die wahre Alternative. Im Krishna-Bewusstsein wird zunächst einmal die Ausgangsposition analysiert und nicht verteufelt:

Das Lebewesen ist in die materielle Gefangenschaft geraten, da es unabhängig von der Quelle aller Freude genießen wollte. Es sucht in der materiellen Welt nach dem verlorenen Glück der Gemeinschaft mit Gott und erhält - je nach frommen oder unfrommen Handlungen - Ersatzbefriedigungen, die mehr oder weniger Substanz haben. So hat Shrila Prabhupada in den 60er Jahren einmal einen Vortrag vor einer westlichen Audienz gehalten, wo er in etwa sagte, selbst diejenigen, die Wein trinken, könnten Fortschritt machen, wenn sie beim Geschmackserlebnis über Shri Krishna meditierten, also sich bewusst machten, dass auch dieses "Freudenerlebnis" den Ausgangspunkt in Shri Krishna hat. Alle Wahrnehmung hat ihren Ausgangspunkt tatsächlich in der Quelle aller Freude. Im materiellen Bewusstseinszustand ist uns das nicht bewusst. Wenn wir jedoch direkt versuchen, entsprechend der Lehren fortgeschrittener Bhakti-Yogis in unserer jetzigen Position zur Freude Krishnas zu leben, erhalten wir nach und nach ganz natürlich Zugang zu höheren Formen von Freude.

Anhaltende und immer frische Freude (Ekstase) ist die wesensgemäße Natur unserer ewigen Heimat bei Shri Krishna. Wenn wir dem Pfad der großen Bhakti-Yogis folgen, kommen wir der Heimat immer näher und lösen uns demzufolge auf natürliche Weise von den materiellen Ersatzbefriedigungen. Umgekehrt neigt eine gottlose Gesellschaft zu Perversionen aller Art, wie man unschwer heutzutage beobachten kann. Die Menschen suchen nach ekstatischen Erlebnissen bei Drogenmissbrauch, sexuell ausbeuterischen Abenteuern, Gewaltexzessen, Machtmissbrauch aller Art etc.

Shri Krishna Chaitanya (1486 bis 1534 AD) wird in der Wissenschaft als religiöser Ekstatiker bezeichnet. Dies hat seine Richtigkeit, denn Er erschien, um die Schätze ekstatischer Gottesliebe freizugeben und so den Lebewesen die Möglichkeit zu geben, sich aus den Ketten weltlicher Anhaftung zu lösen. Die ISKCON verbreitet Seine Lehren auf dem Erdplaneten in der Hoffnung, dass die irregeleiteten modernen Zivilisationen Schritt für Schritt die Orientierung wieder gewinnen, die sie im pervertierten Ekstase-Rausch des Materialismus verloren haben.

Hare Krishna Hare Krishna
Krishna Krishna Hare Hare
Hare Rama Hare Rama
Rama Rama Hare Hare

Euer Diener
Parivadi das