Thema Woche 23

N E U I G K E I T E N

von der spirituellen Betreuung von Häftlingen durch ISKCON-Mitglieder
(ISKCON-Ministerium für das Predigen in Haftanstalten)

Sarvabhauma das, der Leiter der spirituellen Gefängnisbetreuung in Mathura/Indien schrieb uns diesen Bericht:

Seit unserem letzten Bericht vor fünf Monaten halten wir nun wöchentliche Programme in den Haftanstalten von Mathura und Agra und monatlich im Gefängnis von Tihar ab. Janakintha das, ein überaus aufrichtiger Devotee aus Vrindavana, hat sich diesem Programm angeschlossen und ist sehr begeistert und unermüdlich dabei, es weiter zu entwickeln.

Nachdem wir uns einen Monat auf der Kumbha Mela (größte Zusammenkunft von Spiritualisten in Nordindien) aufgehalten hatten, beklagte sich der Aufseher der Haftanstalt von Agra, Herr Gupta, man habe uns sehr vermisst. Er wollte wissen, wo wir gewesen waren. Die Häftlinge hätten jeden Tag nach uns gefragt. Es wären zwar zwischenzeitlich auch andere Gruppen gekommen, jedoch hätten sich die Gefangenen darüber beklagt, warum nicht die Hare Krishnas eingeladen würden. Während unserer Abwesenheit haben die Gefangenen jeden Tag zwei Stunden Kirtan (Lobpreis Gottes) abgehalten.

Der Aufseher sagte ferner, das Gefängnis wäre viel friedlicher geworden, seit dem das Programm gestartet worden ist. Es gäbe kaum noch tatkräftige Auseinandersetzungen und die Gefangenen erledigten ihre Arbeit voller Begeisterung. Deshalb bat er uns, keine längeren zeitlichen Pausen mehr einzulegen. Es sei zwar beachtenswert, dass wir auf der Kumbha Mela gewesen waren, aber wir dürften sie bitte nicht vernachlässigen.

Inzwischen chantet ein Gefangener täglich sechzehn Runden auf der Gebetskette, einige andere immerhin vier bis acht Runden. Sie baten uns, ihnen eine Mridanga (traditionelle Tontrommel) für ihren täglichen Kirtan zu schenken.

Am folgenden Tag besuchten wir die Haftanstalt von Mathura. Dort zeigte man uns in dem Gebäude ein sehr schönes Bild von Shri Shri Radha-Madhava aus Mayapur und von Shrila Prabhupada. Auch hatten sie eine Ausgabe von Shrila Prabhupadas Bhagavad-gita wie sie ist. Sie waren überaus glücklich, sich unserem Kirtan anschließen zu können. Anschließend spielten sie einige Brijbasi-Bhajans (traditionelle hingebungsvolle Lieder). Danach verteilten wir Prasadam (geweihte Speisen). Der Gefängnisdirektor forderte uns auf, einen Tempelraum im Gefängnis einzurichten. Sie machen nun täglich Kirtan und brauchen dafür eine Mridanga. Wir werden sehen, was wir tun können.

Weiterhin besuchten wir die Tihar-Haftanstalt in Delhi, in der Shrila Prabhupada das Gefängnispredigen begann. Als Nächstes besuchten wir die Juvenile-Haftanstalt, dessen Direktor sich ebenfalls beschwerte, wir kämen nach einer zu langen Pause. Außerdem bat er uns um einige CDs unserer Gefängnisprogramme, um diese an andere Haftanstalten im Lande weiterzuleiten und so bei ihnen für das Programm Interesse zu erwecken. Wenn diese sensibilisiert wären, hätten sie die Möglichkeit, den nächst gelegenen ISKCON-Tempel zu kontaktieren, um Programme für ihre jeweilige Haftanstalt zu initiieren. Wir erzählten ihnen von unserem Beschluss, das Programm nun wöchentlich durchzuführen und davon, dass die ISKCON-Gemeinschaft in Delhi das Prasadam für dieses Programm liefern würde. Danach verteilten wir Prasadam, das von von food for life (Essens-Wohlfahrtsprogramm der ISKCON) vom Tempel in Delhi geliefert wurde. Im Anschluss daran hatten wir die Möglichkeit, einige Insassen zu kontaktieren. Ich fragte einen jungen Mann, warum er im Gefängnis sei. Er erwiderte, er habe ein Handy mitgehen lassen. Auf unsere Frage, warum dies geschehen sei, erzählte er uns folgende Geschichte:

"Ich kam aus dem Dorf und ging kleinen Gelegenheitsjobs nach. Eines Tages kamen Leute und erzählten mir von einer lebenswichtigen Nierentransplantation bei ihrem Vater. Für den Fall dass ich bereit sei, ihm eine Niere zu spenden, gäben sie mir eine ein hohe Summe Rupien. Wir kamen überein, und sie nahmen mich mit zu sich nach Hause, wo sie überaus gut für meine Ernährung und mein Wohlbefinden sorgten. In diversen Hospitälern wurden die erforderlichen Tests gemacht. Eines Tages nun fuhren wir im Auto, als mir einer der Männer mitteilte, ich brauche dringend ein Handy, um für den Fall immer erreichbar zu sein. Als eine Dame die Straße überquerte forderten sie mich auf, ihr das Handy zu entwenden und damit zurück zu kommen. Aber unglücklicherweise wurde ich während der Tat von anderen überwältigt und gefangen genommen. Der Anstifter zu dieser Tat floh umgehend und ich wurde der Polizei übergeben.

Jetzt, nachdem ich euch zugehört habe, weiss ich, dass ich falsch gehandelt habe. Deshalb werde ich ab sofort mein Leben ändern und niemals mehr ein Verbrechen begehen.

Ein anderer junger Mann sagte, er habe jemanden niedergestochen. Gefragt, warum es zu dieser Tat gekommen sei, antwortete er, er wäre ein Taschendieb und jemand hätte ihn bespitzelt und ihn anschließend bei der Polizei verraten. Darum habe er den Spitzel niedergestochen, was natürlich nicht gut zu heißen sei. Er versprach, so etwas nie wieder zu tun.

Aus diesem Grund verteilen wir Shrila Prabhupadas Patentmedizin, die den Kriminellen hilft, sie von ihren Verbrechen abzuhalten, lehren wir sie, den Heiligen Namen zu chanten. Shrila Prabhupadas Fußstapfen folgend, versuchen wir, dieses Gefängnisprogramm weiter zu entwickeln. So möchten wir dieses Programm auch im Gefängnis von Bharatpur starten, das nicht so weit von unserer Basis in Mathura ist.

Euer Diener

Sarvabhauma das