Thema Woche 24

Gott ist die Liebe

Intuitiv setzen die Menschen darauf, dass - wenn es einen Gott geben sollte - Er die Liebe sein müsse; eine sehr intelligente Haltung angesichts des großen Bedürfnisses an gefühlvollem Austausch, das man bei hoch entwickelten Lebewesen beobachten kann. Fast alles dreht sich um dieses Thema, ob es nun um reine Liebe (Prema) oder aber besonders um pervertierte Liebe (Lust) geht.

Was ist Liebe? Zunächst ist einmal dazu zu sagen, dass es sich um Wahrnehmung handelt; Liebe wird wahr genommen. Aha, was ist denn Wahrnehmung? Ja, liebe Atheisten und Materialisten, was ist Wahrnehmung? Darüber haben wir ja schon viel geschrieben. Wie lässt sich Wahrnehmung definieren? Nun, Wahrnehmung unterscheidet Leben vom Tod. Eine lebende Einheit nimmt wahr, ist bewusst, fühlt und denkt. Da kann man lange drüber nachsinnen; es bleibt die Wahrnehmung selbst, die nicht weiter in Bestandteile zerlegt werden kann. Keine mathematische, physikalische oder chemische Formel kann die Wahrnehmung definieren. Sie entzieht sich der Betrachtung, da sie selbst die Betrachtung ist. Wahrnehmung ist in sich selbst bereits ein vollkommenes Phänomen, welches keiner weiteren Erklärung mehr bedarf! Wahrnehmung erklärt sich durch sich selbst. Rot ist rot, grün ist grün, blau ist blau, gelb ist gelb, eine Quinte klingt eben wie eine Quinte, eine Quart wie eine Quart, eine Terz wie eine Terz, eine Oktave wie ein Oktave, süß ist süß, salzig ist salzig, bitter ist bitter, scharf ist scharf, mild ist mild, Zorn ist Zorn, Lust ist Lust, Gier ist Gier, Zufriedenheit ist Zufriedenheit usw usw. Alle diese Phänomene lassen sich weder durch Teleskope, Mikroskope, Teilchenbeschleuniger oder auch noch durch irgendwelche materiellen Anordnungen studieren. Sie entziehen sich dem schulwissenschaftlichen Versuch, die Welt zu erklären.

Deutschland steht Kopf, denn zwei mal elf Mannen rennen hinter einem Ball her, um ihn irgendwie in einem eckigen Gestell unter zu bringen. Die Menschen in den Stadien feiern wilde Parties ob dieser Szenen und setzen sehr viel Energie frei. Wo ist der Nutzen, könnte man fragen. Sie lieben Deutschland. Ja was ist denn Deutschland? Ein winziger Flecken Land im Kosmos mit ameisengleichen Bewohnern. Einige dieser Bewohner werden besonders verehrt, z. B. die Fussballer der Nationalmannschaften. Überall finden sich Aufkleber von ihnen, die dann sorgfältig in die Alben geklebt werden. Diese Helden lassen die Herzen höher schlagen. Wir dienen ihnen, wir hören von ihnen, wir sehen ihre Spiele an, wir interessieren uns für ihr Leben, wir versorgen sie mit viel Geld, wir rufen ihre Namen. Das versetzt uns in rauschartige Zustände. Wir sind im Fußballfieber. Was ist denn das schon wieder?

Liebe ist der Austausch zwischen dem Verehrer und dem Verehrten, der bewusste wahrgenommene Austausch von Dienst. Was ist nun Dienst? Von Dienst kann nur gesprochen werden, wenn dieser wahrgenommen wird. Die Sinne spielen da also eine zentrale Rolle. Das Wort Sinn (englisch: sense) spricht für sich. Sinn ist der kompakte Begriff für Wahrnehmung. Durch Augen, Nase, Zunge, Haut und Ohren nehmen wir wahr. Wir schenken dem Verehrten eine Blume, deren Duft er/sie durch die Nase wahrnehmen kann, deren Farben und Ornamentik ihn/sie faszinieren. Wir dienen dem Verehrten auf diese Weise. Er/Sie zeigt sich erfreut, auch natürlich über die Zuneigung. Und der Verehrer erfreut sich daran, dass er dem Verehrten eine Freude machen konnte. Die gegenseitige Freude schaukelt sich hoch. Dieses Phänomen ist unverkennbar. Es wird wahr genommen. Freundschaften sind etwas sehr schönes, etwas, was man direkt wahrnimmt, was nicht definiert werden muss. Es reicht aus, wenn man die Freundschaften pflegt, dann freut man sich über diese Freundschaften und empfindet tiefe Zufriedenheit und den Wunsch, die Freundschaften immer mehr zu vertiefen. Ein Vorgang der unendlich steigerbar wäre, wenn nicht, ja wenn nicht, ja wenn nicht unsere Begrenztheit wäre.

Was ist los? Warum klappts nicht? Woher kommt denn die Unzufriedenheit, obgleich so viel Austausch gepflegt wird. Woher kommt die Instabilität der Beziehungen? Wir geben hier einfach mal die Antwort: Weil wir die Quelle aller Freude links liegen lassen. Wenn wir die Quelle aller Freude, Gott, auszugrenzen versuchen, müssen wir uns nicht wundern, wenn unsere Liebesspiele unvollkommen und stümperhaft bleiben. Billiarden und Aberbilliarden winziger spiritueller Wahrnehmungseinheiten versuchen, ihr eigenes Ding zu drehen, ihre Romanze zu inszenieren, alles im Grunde dasselbe: Romeo und Julia, das reicht doch! Warum sollen wir das Rad ständig neu erfinden.

Die Lösung, die wir den vedischen Schriften entnehmen:

Shri Shri Radha-Krishna

Klar: Gott, der alle Kräfte in höchster Fülle innehat und beherrscht, lebt die vollkommene Liebesbeziehung, indem Er, der Allanziehende Shri Krishna Sich in Seine Freude, Shri Radha, erweitert. Dieses Original müssen wir nicht nachahmen. Das ist nicht intelligent. Wir sollten diesem Original dienen. Wir versuchen ja auch nicht, die Fussballweltmeisterschaft in Hintertupfingen auszutragen. Vielmehr richten sich alle Blicke auf die Profis!

Wir werden es erfahren, wahrnehmen: Wenn wir dem Original dienen, indem wir über es hören, von ihm sprechen, singen, zu seiner Freude tanzen, die Herrlichkeit des Originals verbreiten, dann werden wir uns nachhaltiger freuen, tiefere Liebe empfinden! Garantiert! Und was ist der Beweis dafür? Gut geraten: Unsere Wahrnehmung!

atmendriya-priti-vancha
tare bali 'kama'
krishnendriya-priti-iccha
dhare 'prema' nama

Der Wunsch, die eigenen Sinne zu befriedigen ist Lust (kama), während der Wunsch, die Sinne Shri Krishnas zu erfreuen, Liebe (prema) ist.

Chaitanya Charitamrita, Adi-lila 4.165

Probieren geht über Studieren!

Euer Diener

Parivadi das