Religionsfreiheit und ihre Grenzen

Thema 25/2016

Manchen Leser mag es wundern, dass ausgerechnet auf einer Seite der Hare-Krishna-Bewegung dieses Thema angesprochen wird. Die Gründe sind sind folgende:

1. In den 90er Jahren wurde u. a. auch die ISKCON im Rahmen der vom deutschen Bundestag initiierten Enquete-Kommission „Sogenannte Sekten und Psychogruppen“ auf ihre Verfassungsmäßigkeit hin überprüft. Der ISKCON-Vorstand stand Rede und Antwort vor der Kommission. Im Endbericht der Kommission vom 09.06.1998 wurden zwar bestimmte Inhalte der ISKCON-Mission kritisiert, jedoch wurde die ISKCON im wesentlichen als grundgesetzkonform betrachtet, was zwei Jahre später dazu führte, dass ISKCON ab 2001 als gemeinnützig anerkannte Religionsgemeinschaft in Deutschland wirken kann. Für die ISKCON war es von Anfang an eine Selbstverständlichkeit, sich gegenüber dem Souverän der Bundesrepublik Deutschland zu öffnen und nicht etwa ein Versteckspiel zu inszenieren. Die führenden ISKCON-Mitglieder waren und sind davon überzeugt, dass die freiheitlich demokratischen Grundwerte, die im Grundgesetz proklamiert werden, ein fairer Rahmen sind, sich in angemessener Weise religiös zu entfalten. Im Rahmen der parlamentarischen Untersuchung stellte die ISKCON u. a. klar, dass sie nicht steinzeitlichen Hinduismus repräsentiert sondern eine reformhinduistische theistische Strömung, die vom goldenen Avatara Shri Krishna Chaitanya (1496 bis 1534 AD) initiiert worden war, u. a. um der Gleichberechtigung von Mann und Frau und die Gleichheit aller Menschen vor Gott das Wort zu reden. Schon alleine diese Tatsache erklärt die Aufgeschlossenheit der ISKCON hinsichtlich staatlicher Wachsamkeit gegenüber religiösem Fundamentalismus und insbesondere das Eintreten für religiösen Frieden.

2. Auf der Krishna-Culture-Website wurde der Islam im Rahmen dieser Beiträge hier bisher immer im Geist der relgiösen Toleranz als echte theistische Strömung anerkannt und gewürdigt. Wir möchten mit diesem Beitrag bezüglich einiger zur Zeit beobachtbarer Kontroversen hinsichtlich des Islams differenziert einige Gedanken beisteuern, erheben jedoch natürlich keinesfalls irgend einen Anspruch auf Vollständigkeit oder absolute Richtigkeit der folgenden Ausführungen:

2.1 Wenn Islamisten ernsthaft die Einführung der Scharia anstreben, so ist dies natürlich problematisch und zwar für alle anderen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, und jeder freiheitsliebende Mensch muss hier rechtzeitig seine Vorbehalte anmelden, lieber zu früh als zu spät!!! Jede Tradition, die sich der vorherrschenden Zeit, der bestehenden Kultur und den faktischen Umständen gegenüber als unflexibel zeigt, ist vom Standpunkt der Hare-Krishna-Bewegung aus gesehen nicht wirklich göttlich inspiriert, weil Anpassungsfähigkeit - natürlich im Rahmen der ewig gültigen spirituellen Prinzipien - eben auch eine göttliche Gabe ist. Die höchste Persönlichkeit Gottes, Shri Krishna, garantiert jedem Menschen individuelle Entfaltungsrechte im Rahmen einer fairen staatlichen Ordnung. In totalitären Staaten hingegen unterstützt Shri Krishna diejenigen, die für Freiheit und Toleranz kämpfen! Hier ein Zitat aus der Bhagavad-gita, die dies eindeutig belegt:

„Ich beneide niemanden, noch bevorzuge Ich jemanden. Ich bin allen gleichgesinnt. Doch jeder, der Mir in Hingabe dient, ist Mein Freund, ist in Mir, und auch Ich bin sein Freund“ (9.29).

Schon alleine diese erstaunlich zeitlose Aussage Gottes zeigt auf, dass niemand im Namen der Religion in ein bestimmtes Glaubenskonzept oder totalitäres politisches System gezwungen werden darf. Daher liegen die Hüter des deutschen Grundgesetzes richtig, wenn sie die Religionsfreiheit mit den anderen verfassungsmäßigen Grundsätzen im Rahmen eines Abwägungsvorganges abgleichen.

2.2 Ausdrücklich stellt sich die ISKCON z. B. gegen das barbarische Schächten von Tieren unter Berufung auf die Religionsfreiheit. Auch ein Verschleierungszwang für Frauen, Ehrenmorde, steinzeitliche Strafen wie Steinigung u.ä. lehnen wir strikt ab. Dies sind nur einige besonders klare Beispiele, wo die Religionsfreiheit im Rahmen eines fairen göttlich unterstützten Staatswesens in ihre Grenzen verwiesen werden muss.

Angesichts des diesjährigen 50-jährigen Jubiläums der ISKCON, die von Seiner Göttlichen Gnade A. C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada mit ersten seiner Anhänger 1966 gegründet wurde, können wir mit Freude darauf verweisen, dass Shri Krishna die Freiheit als unantastbares Recht schon vor rund 5000 Jahren als ewig gültiges Prinzip in der Bhagavad-gita vorgegeben hat:

„Somit habe Ich dir Wissen erklärt, das noch vertraulicher ist. Denke gründlich darüber nach, und tue dann, was dir beliebt.“ (18.63)

Shri Krishna hat Seinen Freund und Schüler in spirituellem Wissen unterrichtet und ihm göttliche Empfehlungen gegeben. Jedoch zwingt Er ihn nicht, entsprechend zu handeln sondern überlässt ihm die Entscheidung. Gott ist eben kein Diktator.

3. Im Rahmen dieses Beitrags kann es nicht unerwähnt bleiben, dass die ISKCON-Angehörigen bei der weltweiten Mission ab 1965 erhebliche Opfer gebracht haben. Insbesondere war es sehr schwierig und abenteuerlich, den atheistischen Ostblock und China zu knacken. Dennoch gelang es, und es gibt wirklich die spannendsten Geschichten, Schicksale etc. über den unermüdlichen Einsatz der Hare-Krishna-Veteranen zum Aufbrechen dieser totalitären Strukturen. Insbesondere unter dem letzten Diktator der UdSSR vor der Glasnost-Politik Andropow kam es zur systematischen Verfolgung der russischen Hare-Krishna-Anhänger. Sie kamen in verschiedene Umerziehungslager, um zur Abschwörung ihrer religiösen Überzeugungen gezwungen zu werden mittels Folter, Psychoterrors etc. Dabei gaben einige dieser Heiligen ihren materiellen Körper auf und sind somit als Hare-Krishna-Märtyrer in die Geschichte eingegangen. Die Hare-Krishna-Anhänger waren bei ihrem Ostblock-Engagement durchaus keine traurigen Gestalten sondern schwebten teilweise in der Ekstase der Gottesliebe durch die dämonischen Machtzirkel. Auf youtube berichten zwei der herausragenden Hare-Krishna-Veteranen über ihre Erlebnisse im Ostblock. Diese Zeitzeugnisse sprengen jede Phantasie. Bitte sehen Sie sich diese Berichte an:

Soviet-Times (Die Hare-Krishna-Bewegung wirbelt die KGB-Welt durcheinander)

Nach der Ära Andropow löste dann Michail Gorbatschow - wie durch ein Wunder - diese bösartigsten Regimestrukturen der Neuzeit auf, die Hare-Krishna-Anhänger wurden freigelassen und die ISKCON wurde nach den Reformen als erste Religionsgemeinschaft in der Sowjetunion eingetragen und anerkannt. Dieses Wunder ist einzigartig in der modernen Geschichte. Auch über diese Ereignisse berichten die beiden vorgenannten Hare-Krishna-Veteranen in der vierteiligen youtube-Serie!!!!

Diese Videos sind nicht für politisch korrekt denkende Menschen geeignet, denn Shri Krishnas Wirken steht weit transzendental von gewöhnlichem Alltagsgeplenkel. Jeder, der den Lehren von Shrila Prabhupada ernsthaft folgt, kann ähnliche Erfahrungen machen wie diese Veteranen.

Wir hoffen natürlich, dass die NWO-Drahtzieher ihre totalitäre Weltordnung nicht verwirklichen werden können, denn dann müsste wieder religiös entgegen gewirkt werden. Wir von Krishna-Culture unterstützen ein System souveräner Staaten, die die Religionsfreiheit im Rahmen der jeweiligen staatstragenden Leitkulturen garantieren. Jeder Gläubige sollte flexibel genug sein, die Kultur des jeweiligen Gastlandes als Ausdruck göttlicher Vielfalt zu würdigen und gleichzeitig fähig sein, seine Glaubensüberzeugung angemessen zu leben. In Deutschland ist dies zur Zeit gut möglich. Wie die DDR aufgetaut wurde, erfahren Sie ebenfalls in den besagten Videos; unglaublich!!!

Ihr Diener

Parivadi das