Thema Woche 26

Lebensschule

Die meisten Menschen, die sich mit spirituellen Themen befassen, messen den Gesetzmäßigkeiten von Karma und Reinkarnation große Bedeutung zu. Die allgemeine Bereitschaft, diese kosmischen Gesetze als gegeben anzusehen, rührt aus der Tatsache, dass sie nachvollziehbar und einleuchtend sind:

Warum wird der eine mit einem goldenen Löffel im Mund geboren, während ein anderer auf einer Müllhalde zur Welt kommt? Welch blinder Zufall könnte für diese Ungerechtigkeit haftbar gemacht werden? Eine neue Geburt entsprechend den Verkörperungen der Vergangenheit ergibt einfach mehr Sinn. Wir wachen also nicht unschuldig in einem Gewand aus grobem und feinem Körper auf. Vielmehr werden wir bei der nächsten Runde mit unseren Altlasten konfrontiert, in der Form eines bestimmten Körpers in einer bestimmten Familie in einer entsprechenden Umgebung.

Die Wissenschaft der Astrologie befasst sich zu einem wesentlichen Teil mit den Startbedingungen von Unternehmungen oder Ereignissen - zum Beispiel der Geburt eines Menschen.

Hier muss ein ernsthafter Spiritualist nun unterscheiden:

Sind die Start- oder Rahmenbedingungen des Lebens einfach eine Strafe oder eine Gnade?

Seine Göttliche Gnade A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada führt in einer Anmerkung zum Bhagavat Purana aus, dass der materielle Körper dem Lebewesen gegeben wird, um zu leiden.

Das möchten die meisten dann schon nicht mehr gerne hören, denn die meisten Anhänger der Eso-Szene sind Wellness-Akrobaten und möchten den Fakten des kosmischen Daseins gerne ausweichen und sich auf ihren Tripps nicht durcheinander bringen lassen. Leider hat jedoch jeder Rausch ein Ende und einen Kater zur Folge!

Shri Krishna, der allgemein anerkannte Experte der spirituellen Wissenschaft, erklärt dem Arjuna unmissverständlich (Bhagavad-gita 8.16):

a-brahma-bhuvanal lokah
punar avartino ´rjuna
mam upetya tu kaunteya
punar janma na vidyate

Übersetzung: Alle Planeten in der materiellen Welt - vom höchsten bis hinab zum niedrigsten - sind Orte des Leids, an denen sich Geburt und Tod wiederholen. Wer aber in Mein Reich gelangt, o Sohn Kuntis, wird niemals wieder geboren.

Wenn also jemand richtigerweise feststellt, dass er leidet, dann ist dies schon ein wichtiger Schritt der Selbsterkenntnis, die erste Klasse der Lebensschule sozusagen. Wer denkt, es sei doch alles ganz schön hier, der bleibt im wahrsten Sinne des Worts sitzen; nämlich im Gefängnis des materiellen Kosmos, der in Sanskrit durga genannt wird.

Beim Begriff Lebensschule werden jetzt viele mit Recht aufatmen. Wir sind nicht einfach die von Shri Krishna abgesonderten Seelen (Sünder), die nun blindlings abgestraft werden. Die uns neu auferlegte Geburt ist eine weitere Chance, zu lernen und dem materiellen Dasein ein Ende zu setzen. Leiden, Schmerzen, Unfälle etc. können von einem verständigen Menschen als Hinweise bzw. Druckmittel (bei störrischen Charakteren) erkannt werden. Manchmal benötigt man viel Druck, um endlich ins richtige Gleis einbiegen zu können. Wenn alles leicht geht, wächst der Hang zu Leichtsinnigkeit.

Warum ist es denn so kompliziert, ins Reich Gottes zurückzukehren, welches frei von Leid ist? Im Reich Gottes ist alles rein wie die strahlende Sonne. Wir sind es im Moment nicht; das ist das Problem! Wir tragen viele Unreinheiten mit uns, die sich in Formen von Lust, Zorn, Frust, Neid, Verrücktheit und Illusion bemerkbar machen. Eine grundlegende Methode, diese Hauptfeinde glückseligen Lebens in ihrem Wirken unschädlich zu machen, ist das Üben von Askese, in Sanskrit tapasya.

Shrila Prabhupada erklärt in einer weiteren Anmerkung zum Bhagavat Purana, dass wir entweder freiwillig tapasya auf uns nehmen, oder diese in Form von unerwünschten Ereignissen, z. B. Krankheiten oder Schmerzen, auf uns zukommt. Wir können dem nicht entgehen.

Entscheidend ist, ob wir diese Lebensphasen als Gnade oder blindes Schicksal empfinden. Natürlich ist es nicht immer einfach, einen schweren Schlag als die Barmherzigkeit Gottes zu empfinden. Dennoch sollte der ernsthafte Spiritualist dies zumindest üben, denn kaum jemand ist perfekt. In Shri Krishnas Lebensschule zählt besonders die ernsthafte Bemühung, denn Gott kennt unsere grob- und feinstoffliche Situation viel besser als wir selbst. Selbst wenn wir einmal durchhängen sollten, vergisst Shri Krishna unsere früheren Bemühungen niemals. Er ist ungeheuer dankbar:

sri-bhagavan uvaca
partha naiveha namutra
vinasas tasya vidyate
na hi kalyana-krit kascid
durgatim tata gacchati

Übersetzung: Die Höchste Persönlichkeit Gottes sprach: O Sohn Prithas, ein Transzendentalist, der glückbringenden Tätigkeiten nachgeht, wird weder in dieser Welt noch in der spirituellen Welt Vernichtung erleiden; wer Gutes tut, Mein Freund, wird niemals vom Schlechten besiegt. (Bhagavad-gita 6.40)

Für ernsthafte Menschen gibt es also viel Anlass zur Hoffnung.

Wie können wir nun herausfinden, welche Altlasten wir mit uns schleppen und wie wir sie abtragen können?

Aus der Sicht der Veden gibt es grundsätzlich zwei Reinigungsmethoden:

a) Der direkte Weg:

Wenn wir direkt auf Shri Krishna zugehen, zu Ihm beten, Ihm unsere Dienste anbieten, Seine Namen chanten etc., dann kommen wir in direkte Verbindung mit dem Reinsten der Reinen und werden vollständig geläutert, sofern wir uns diesem Vorgang - ggf. im Lauf der Zeit - vollständig hingeben. Beispielsweise wird gesagt, dass sich die Schicksalslinien auf den Händen derjenigen verändern, die sich Shri Krishna ergeben. Der direkte Weg - Bhakti-Yoga - ist letztlich durch nichts anderes ersetzbar.

b) Ergänzende Methoden (spirituelle Frömmigkeit):

Es gibt Handlungen, die unsere Ausgangsposition hin zu reinem hingebungsvollen Dienst (dem direkten Weg) verbessern. Wir arbeiten an uns, um unsere göttliche Bestimmung effektiver erfüllen zu können. Hier kann z. B. auch ein vedisches Horoskop als Hilfsmittel herangezogen werden. Wir gehen im nächsten Beitrag näher darauf ein.

Tatsächlich ist es so, dass diese ergänzenden Methoden Bestandteile des direkten Weges sind, solange man sich nicht in den Details der Hilfestellungen verliert. Ein Automechaniker sollte Ordnung am Arbeitsplatz halten. Wenn er aber nur pingelig ständig nur aufräumt und putzt, wird es nicht zum Reparaturerfolg kommen. Er muss die Schraubenschlüssel schon in die Hand nehmen und zur Sache gehen:

Hare Krishna Hare Krishna
Krishna Krishna Hare Hare
Hare Rama Hare Rama
Rama Rama Hare Hare