Thema Woche 28

Z w e i - K l a s s e n - S y s t e m

Betrüger und Betrogene

Das Shrimad Bhagavatam enthält im letzten Teil, dem 12. Canto, umfangreiche Voraussagen über das Zeitalter, in dem wir momentan leben. Unter anderem gibt es auch präzise Darstellungen des sich entwickelnden politischen Systems. Hier der Originaltext in deutscher Übersetzung:

'Die Städte werden von Dieben dominiert werden. Die Veden werden durch atheistische Auslegungen verunreinigt werden. Die politischen Führer werden die Bevölkerung ausbeuten. Die sogenannten Priester und Intellektuellen werden Diener ihrer Mägen und Genitalien sein. ... Geschäftsleute werden rein kommerziell inspiriert betrügerisch zu Geld kommen. ... Obwohl es nicht unbedingt nötig ist, werden die Menschen jeder noch so abscheulichen Tätigkeit nachgehen. Diener werden ihren Meister im Stich lassen, wenn dieser seinen Reichtum verliert, auch wenn er einen exemplarischen Charakter hat. Arbeitgeber werden die Beschäftigten entlassen, wenn diese unproduktiv sind, auch wenn Angehörige der Familie des Beschäftigten seit Generationen der Dynastie des Herrn gedient haben. Kühe werden geschlachtet werden, wenn sie keine Milch mehr geben. Die Männer werden Frauen verfallen und Vorbehalte seitens Verwandten in den Wind schlagen, um mit anderen Familienangehörigen sexuelle Beziehungen zu pflegen. Freundschaften werden vorwiegend aufgrund sexueller Erwägungen gepflegt werden.

Wir sehen heute tatsächlich im Zuge der Globalisierung, wie eine Menschenklasse, nämlich die der unselbständig Abhängigen, sich immer mehr ausdehnt, während der Mittelstand systematisch ausgedünnt wird zugunsten einiger kapitalstarker Konzerne. Wie wir unschwer erkennen können geht es dabei - auch in der Politik - fast nur noch um Geldinteressen. Diese Verrohung der Kultur wurde von Shrila Vyasadeva vorausgesehen und schriftlich festgehalten. Der Bürger wird mittels Dauerberieselung auf einer niederen Bewusstseinsstufe gehalten; Ablenkung vom wesentlichen um jeden Preis!

Die wichtigste Rolle spielt natürlich die Finanzmoneypulation. Während die USA jährlich mit 500 Mrd. neu erschaffenen Dollars die Welt überschwemmt, wird den Deutschen eingeredet, es müsse gespart werden. Das Sparen trifft selbstverständlich nicht diejenigen, die schon viel haben, denn das Zins- und Spekulationssystem sichert ihnen einen Zustrom von Geld von denjenigen, die wenig, nichts oder Schulden haben. So gibt es heute insbesondere zwei Menschenklassen: Die Betrüger und die Betrogenen! Die Betrogenen möchten meistens zur Klasse der Betrüger aufsteigen, indem sie sich ebenfalls fleißig am Zocken beteiligen. Manchmal - aber selten - haben sie Glück. Die Regierungen sind leider nicht fähig oder nicht willig, diesem Glücksspiel Einhalt zu gebieten. Allzuoft sind die Politiker dem Geldrausch selbst verfallen. Wirkliche Reformen zum Allgemeinwohl kann man da schwerlich erwarten.

Shri Krishna rät uns in der Bhagavad-gita ein politisches System natürlicher Ausgewogenheit an, in welchem die Menschen entsprechend ihrer Qualifikation Dienste verrichten. Die Regierungsmitglieder haben in diesem System die oberste Pflicht, jeden mit einer sinnvollen Tätigkeit zu betrauen. Jeder Bürger, ja sogar die Tiere und die Natur, sind bei der Verteilung der Güter zu berücksichtigen. Das heutige Glücksrittertum verschafft vor allem geschickten Manipulatoren Ausbeutungsmöglichkeiten aller Art. Um Muße für spirituelles Leben zu haben, muss der Mensch in einer Atmosphäre der Geborgenheit leben können. Der tägliche Existenzkampf soll nicht noch geschürt werden durch materialistische Werbung, das Wecken von Unzufriedenheit und sündhafter Wünsche. Wir müssen hier nicht beweisen, dass heute das Gegenteil vorzufinden ist, da wir es täglich vor Augen haben.

Nun mögen einige den Vorbehalt äußern, dass da wohl ein ehemaliger unverbesserlicher Kommunist diesen Text verfasst hat. Dazu merkt der Autor an, dass die Ideale des Kommunismus, nach welcher alle für das Gemeinwohl arbeiten sollen, durchaus mit dem Krishna-Bewusstsein harmonieren. Der Kommunismus kann jedoch nur funktionieren, wenn Shri Krishna im Mittelpunkt steht. Shrila Prabhupada beschreibt in der Einleitung zum Shrimad Bhagavatam:

"Die Ideale des spirituellen Kommunismus beruhen dem Shrimad Bhagavatam zufolge auf der Einheit der gesamten menschlichen Gesellschaft, ja der gesamten Energie der Lebewesen."

Spiritueller Kommunismus ist somit die Lösung für die Probleme der Menschheit, die wir heute vorfinden. Spiritueller Kommunismus degradiert die Menschen weder zu Sklaven einer Oligarchie (im gottlosen Kommunismus) noch zu Sklaven des Mammons (im Kapitalismus). Vielmehr wird die Individualität des Lebenwesens in seiner einzigartigen Beziehung zu Gott hervorgehoben, gefördert und entsprechend gewürdigt und belohnt.

Diese gesellschaftlichen Zustände werden sich durch Krishnas Gnade einstellen, wenn wir uns diesen Zustand wünschen und uns entsprechend verhalten. Je mehr Menschen sich also dem Krishna-Bewusstsein zuwenden werden, desto mehr wird sich die gesellschaftliche Situation verbessern. Mit äußerer Gewalt lässt sich im Kali-Yuga so etwas im allgemeinen nicht herbeiführen. Shrila Prabhupada erklärt:

"Die jüngere Generation der heutigen Zeit versucht in verschiedenen Teilen der Welt mit Begeisterung, die Regierung zu stürzen, doch solange die Menschen nicht krishnabewusst ... sind, werden sie keine nennenswerten Veränderungen in der Regierung zustande bringen, da Menschen, die auf Biegen und Brechen nach einer politischen Position trachten, nicht an das Wohl der Allgemeinheit denken können. Sie sind nur eifrig bemüht, ihre angesehene Position und ihre finanziellen Einnahmequellen sicher zu stellen. Sie haben daher wenig Zeit, an das Wohl der Allgemeinheit zu denken. (Kommentar zu 4.9.66, Shrimad Bhagavatam)

und weiter:

"... Unter diesen Umständen sollten sich Heilige dem Chanten des maha-mantra "Hare Krishna" zuwenden, statt aktiv im politischen Geschehen teilzunehmen. Durch die Gnade Shri Chaitanyas kann die Allgemeinheit einfach durch das Chanten dieses Hare-Krishna-Maha-Mantra alle Vorteile bekommen, ohne sich in Politik verwickeln zu müssen." (Kommentar zu 4.14.12, Shrimad Bhagavatam)

und weiter:

"... Gegenwärtig ist die Welt dem demokratischen Vorgang zugeneigt, doch die Menschen sind von der Erscheinungsweise der Unwissenheit und Leidenschaft verunreinigt. Deshalb können sie auch nicht die richtige Person wählen ... Wenn die Menschen die Prinzipien der Bhagavad-gita strikt befolgten, würden sie einen Menschen wählen, er ein Geweihter des Herrn ist. Es gäbe dann ganz automatisch eine gute Regierung. ... (Kommentar zu 5.5.21, Shrimad Bhagavatam)

Damit müssen wir also noch etwas Geduld aufbringen, wenn wir uns bessere politische Verhältnisse erwarten, denn die Erscheinungsweisen der Unwissenheit und Leidenschaft sind weiterhin dominant; eine nach materiellen Maßstäben fast aussichtslose Situation. Dennoch soll es im Kali-Yuga nun zu einer Bewusstseinveränderung kommen, die wir sehnlichst erwarten. Am besten ist es, wir unterstützen den Bewusstseinswandel, indem wir uns der Hare-Krishna-Bewegung anschließen!

Euer Diener

Parivadi das