Thema Woche 32

Sinnentleertes Brauchtum

 

Beruhend auf einer Erzählung von Shrila Bhaktisiddhanta Saraswati Thakura

Shrila Bhaktisiddhanta Saraswati Thakura
Shrila Bhaktisiddhanta Sarasvati Thakura (1874 bis 1937)


Allmorgendlich nahmen einige Brahmanen im Ganges ihr Bad, um danach dem Höchsten Herrn ihre Gebete darzubringen. Jeder von ihnen führte eine Kupferschale mit sich, um Wasser zu opfern. Nach dem Bad kam es oft zur Verwechslung der Schalen, und so tauschten sie oft ihre Besitzer.

Ein älterer der Brahmanen wollte dem ein Ende machen und gab vor dem Bad etwas Sand in seine Schale, um sie nachher klar wiedererkennen zu können. Die anderen Brahmanen beobachteten diesen Vorgang und kamen zu der Schlussfolgerung, diese Handlung müsse wohl einen besonderen spirituellen Hintergrund haben. Daher füllten auch sie etwas Sand in ihre Schalen.

Als der ältere Brahmane aus dem Wasser stieg, hatte er wieder Schwierigkeiten, seine Schale zu identifizieren und dachte bei sich:

"Wie sehr sie doch äußerlichen Ritualen verhaftet sind. Hätten sie gesunden Menschenverstand, dann wäre das nicht passiert."


Kommentar:

In unserer Welt zeichnet sich Religion leider häufig durch blinde Nachahmung überlieferter Riten aus, deren Hintergründe und Sinngehalt kaum kritisch betrachtet werden. Oft haben sich Faktoren im Lauf der Geschichte auf die oben beschriebene Art und Weise eingeschlichen.