Thema Woche 32

Sprachverwirrungen

In unserer schnelllebigen Zeit werden die Sprachen immer mehr vereinfacht gebraucht und verkürzt. Viele Details werden übersehen. Der tiefe Bedeutungsgehalt vieler Wörter wird kaum noch wahrgenommen.

Ein Paradebeispiel ist der Begriff ZUFALL. Was bedeutet er? Meist wird heute dieser Terminus so verstanden, dass etwas ohne Grund einfach so passiert, also blind. Die Frage ist nun, ob es vernünftig ist, anzunehmen, es geschehe etwas ohne Ursachen. Die Schicksale der Lebewesen wären ohne höheren Sinn, wenn es so wäre. Der Glaube an solche blind zufällige Verhältnisse führt natürlich im allgemeinen zu einem Schwund der Einsicht in die Folgen des Handelns. Die Bhagavad-gita, Shri Krishnas bekannteste Unterweisungen stehen den Lehrern blinden Zufalls 180 Grad entgegen. Shri Krishna erklärt im Detail und aus verschiedenen Perspektiven, wie die Lebewesen in der Materie gefangen sind, wie sie dort Handlungen ausführen und welche Folgen das im einzelnen hat; von blindem Zufall also keine Spur. Vielmehr fällt dem Lebewesen im Sinne des Wortes das zu, was es durch seine Handlungen verursacht hat; so wie es in den Wald hineinruft, hallt es zurück:

ye yatha mam prapadyante
tams tathaiva bhajamy aham
mama vartmanuvartante
manusyah partha sarvasah

Übersetzung:

Alle belohne Ich in dem Maße, wie sie sich Mir ergeben. Jeder folgt Meinem Pfad in jeder Hinsicht, o Sohn Prithas.

Bhagavad-gita 4.11

Die Ergebung hat verschiedene Grade, doch das Prinzip ist es immer, dass die Ergebung des Lebewesens in göttliche Vorgaben glückverheißende Aussichten hervorruft, während die Weigerung, göttliche Gesetze zu befolgen, zu unerwünschten Umständen führt.

Man mag nach einem Bankraub die Beute genießen, jedoch wird im Lauf der Zeit eine Reaktion nicht ausbleiben, entweder in diesem oder im nächsten Leben.

Das Wort ZUFALL an sich ist daher wörtlich genommen nicht falsch. Es fällt dem Lebewesen genau das zu, was es verdient hat. Gott ist absolut gerecht.

Vielen sträuben sich die Haare, wenn sie das hören. Es wird protestiert und demonstriert für und gegen alles und jedes; die Gleichheit der Frauen, der Männer, der gleichgeschlechtlichen Ehe, der Rassen, der Kinder, der Tiere, der Pflanzen, die Atomkraft. Sind all diese Forderungen unberechtigt? Nein, es gibt auch Dinge, für die vernunftbegabte Lebewesen eintreten müssen. Tut man dies nicht, häuft man ebenfalls schlechtes karma (in Sanskrit: vikarma) an. Unterlassene Hilfeleistung ist nämlich ebenfalls ein Verstoß gegen göttliche Gesetze. Ein Opfer befindet sich in der spezifischen Rolle zwar wegen vergangenen Handlungen, jedoch bedeutet dies nicht, dass der Täter nicht zur Rechenschaft gezogen wird, denn er soll barmherzig sein. Wenn er dies nicht ist, wird auch er in der Zukunft entsprechende Reaktionen erleiden. Gerechtigkeit ist daher nicht das oberste Prinzip im Kosmos, obwohl diese vollkommen durch den Paramatma-Aspekt Gottes gewährt wird. Shri Krishna möchte jedoch mehr von uns, nämlich dass wir weichherzig werden, Vergebung üben und zurück nach Hause zu Gott kommen.

Wahre Barmherzigkeit steht über dem materiellen Karmaprinzip von Aktion und Reaktion. Nur durch das entwickeln dieser Eigenschaft können wir Kandidaten für spirituelle Befreiung werden. Der göttliche Befreiungsakt ist keine Frage von starren Regeln sondern fällt in den persönlichen Freiheitsbereich der höchsten Persönlichkeit Gottes. Dennoch ist dieser Akt nicht blind zufällig, sondern wird natürlich durch unsere hingegebene Haltung unterstützt. Wir sollten durch unser liebevolles Handeln also einen Antrag auf Befreiung von den materiellen Naturgesetzen stellen. Die absolut gerechten materiellen Naturgesetze sind nämlich alles andere als eine freudvolle Situation. Krishna, Buddha, Shankara und alle echten spirituellen Lehrer warnen uns, dass der materielle Kosmos ein Ort des Leidens ist. In unserer wahren Heimat hingegen ist die Welt in Ordnung. Materielle Gerechtigkeit ist daher nur eine Hilfskonstruktion, um den rebellischen Lebewesen eine Richtung zu geben. Letztlich ist das Ziel jedoch, diesen Ort zu verlassen.

Daher lautet der Titel des von Shrila Prabhupada zu Zeiten des zweiten Weltkrieges gegründeten Magazins "Back to Godhead". Es erscheint noch heute regelmäßig.

Wir kommen jedoch nicht blind zufällig nach Hause zurück sondern dies fällt uns durch die Gnade Shri Krishnas zu.

Euer Diener
Parivadi das