Sentimentale Verirrungen

Thema 46/2017

Leider ist es eine Tatsache, dass die allermeisten auf der Erde als Menschen verkörperten Seelen nicht wirklich wissen, wo sie sind und wo es hingeht. Darum leben sie in den Tag hinein oder lassen sich durch die Umstände leiten, reagieren also nur, anstatt selbst etwas zu bewegen. Ein effektiv zielgerichtetes Leben führen die wenigsten, schon allein deswegen, weil ein erstrebenswertes Ziel nicht auszumachen scheint. Die vedische Offenbarung ermöglicht es uns, die Orientierung wieder zu erlangen, damit wir uns frisch und frei justieren können.

Hier sind für den Anfang mal die wichtigsten Tatsachen, die immer noch von den meisten verdrängt werden:

1. Die irdischen Bereiche sind Lernebenen:

Die Erde ist keine einheitlich himmlische Region, obwohl es einerseits Wohlstand gibt, jedoch auch viele ärmliche Gegenden, zum Beispiel Wüsten, Eis und Schnee an den Polen, unterdrückerische Regime usw.

Die Seelen inkarnieren dort, wo sich entsprechend ihrem vergangenen Tun in früheren Leben ihr Schicksal fortsetzt. Natürlich bemüht sich jeder um ein glückliches Dasein in Wohlstand, Frieden und Freiheit. Das Streben nach Glück ist für jede Seele das natürlichste Verlangen. Sogar die Pflanzen wachsen dem Sonnenschein oder Mondlicht entgegen.

Die meisten Erdenbewohner sind auf die weltliche, politische und gesellschaftliche Situation fixiert und nehmen sich kaum Zeit, die wirkliche Sachlage zu erforschen, um höhere Ziele in Angriff nehmen zu können. Nicht wenige glauben, ihr Leben sei das ein und alles und die einzige Chance. Solche Menschen versuchen meistens, die jämmerlich begrenzten irdischen Freuden auf die Spitze zu treiben; daher so viel Pornografie, Kindesmissbrauch etc. Gerade die Perversionen entspringen den Hirnen der Realitätsverweigerer:

2. Die irdischen Freuden sind sehr begrenzt

Die Erde befindet sich in der ersten Sphäre über den sieben Dunkelwelten. Jenseits der irdischen Bereiche gibt es grob eingeteilt noch sechs himmlische Ebenen, auf denen das Leben wesentlich komfortabler und freudenreicher ist; je höher die Ebene, desto angenehmer ist die Situation.

Nun besteht aber das weit verbreitete Missverständnis, man könne auf eigene Faust seine materielle Situation verbessern. Man (Sie) demonstriert, randaliert, wählt irgendwelche Parteien, engagiert sich politisch oder ruft in einem Wohlstandsland das Zauberwort „Asyl“. Ja, in einem eng begrenzten Rahmen können wir uns sogar auf der Erde ein schönes Plätzchen einrichten, wenn es das Schicksal zulässt:

3. Der Mensch denkt und Gott lenkt

Alle Lebewesen haben ihre individuellen Wünsche, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Nicht alle Wünsche gehen sofort in Erfüllung. Man bemüht sich, und manchmal klappt es und manchmal eben nicht. Das ist ganz normal:

4.Ohne Fleiß kein Preis

In der Bhagavad-gita lehrt uns Shri Krishna, dass das Lebensgeschehen eines Individuums von fünf Faktoren geprägt ist (s. Kapitel 18, Vers 14):

4.1. Der Ort der Handlung (Unsere Lebensbühne)
4.2. Die Seele selbst
4.3. Die Sinne (der Körper) der Seele
4.4. Die Bemühung, die die verkörperte Seele macht
4.5. Der Paramatma, die Überseele im Herzen der Lebewesen, Gott im Herzen

Ohne die Sanktion Gottes bewegt sich nicht einmal ein Grashalm, so sagt man richtigerweise. Wir können uns noch so bemühen; Nur wenn wir es verdient haben, werden unsere Wünsche erfüllt. Wir benötigen also immer den Segen Gottes.

5. Wir sind auf der Erde verkörpert worden, um hier zu lernen wie wir ein wahres glückliches Leben führen können. Wenn wir entsprechende Fortschritte machen, werden wir nach dem Ableben an höhere Orte gebracht, um dort weiteres zu lernen. Wir können auf diese Weise stufenweise höher steigen oder sogar Stufen überspringen, wenn wir sehr qualifiziert sind.

Die meisten Leute leben in den Tag hinein und sind nahezu lernunwillig. Sie bleiben leider in den irdischen Regionen sitzen und müssen weitere Runden in den niederen Lernebenen drehen. Viele Reinkarnationsgläubige sind der Auffassung, dass dies erstrebenswert sei. NEIN!!! Wir sollten die höheren Ebenen anstreben, um dem leidvollen Treiben auf der Erde zu entrinnen.

6. Höheres Wissen kann bei nicht qualifizierten Empfängern fatale Ergebnisse zeitigen:

Für die meisten Menschen ist es besser, in dem Glauben zu leben, man hätte nur eine Chance. Das erzeugt Furcht und den Antrieb, sich wirklich anzustrengen. Die faulen Reinkarnationsfetischisten neigen dazu, das menschliche Leben zu vergeuden in dem fatalen Glauben, es werde in den nächsten Existenzen dann schon so weiter gehen oder gar schöner sein.

Darum hat es Gott sanktioniert, die Gläubigen in dem Verständnis zu belassen, es gäbe nur dieses eine irdische Leben. Man sieht also, dass höheres Wissen nur qualifizierten Seelen zur Verfügung gestellt werden sollte:

Es ist natürlich die Gnade Gottes, wenn wir nach Fehlschlägen weitere Chancen bekommen. Jedoch ist es Dummheit, wenn man (sie) sich aufgrund des Verständnisses von der ewigen Wiederverkörperung der Lebewesen auf die faule Haut legt, um einfach zu sehen, wie es weiter geht. Wer intelligent ist nutzt die gegebene Chance, um sich zielstrebig weiter zu entwickeln. Es gibt nämlich keine Garantie dafür, dass es angenehm weiter gehen wird. Träge Charaktere werden von der materiellen Energie letztlich zum Beispiel in Faultieren verkörpert, die den ganzen Tag auf Bäumen herum hängen und dahin vegetieren. Gottes Barmherzigkeit ist unendlich, und darum gibt es so viele verschiedene Verkörperungsmöglichkeiten; jedem das Seine! Wer sich also zu einem Faultier entwickeln möchte, der möge weiter schlafen und auf weiteres warten.

7. Die höchsten Ziele kennt fast niemand

In den meisten Religionen fehlt das Verständnis von der Transzendenz jenseits der materiellen Welt. Auch die sieben Himmel befinden sich noch im materiellen Bereich, den die Spiritualisten verlassen möchten. Wer in den Himmel kommt ist also immer noch im Bereich der materiellen Bedingtheit. Darum raten wir Angehörigen der vedischen Hare-Krishna-Bewegung dazu, nach der wahren Transzendenz zu streben. Das Schöne daran ist, dass wir bereits hier in unserer individuellen Situation das transzendentale Bewusstsein erlangen und leben können. Dazu konzentrieren wir uns auf Gottesdienst, zum Beispiel indem wir den Maha-Mantra chanten:


Hare Krishna Hare Krishna

Krishna Krishna Hare Hare

Hare Rama Hare Rama

Rama Rama Hare Hare



Dieser Klang steht direkt mit der höchsten Transzendenz in Verbindung und reinigt entsprechend unser Bewusstsein dahin gehend, dass wir die Qualifikation erwerben, auf ewig in der Transzendenz leben zu können:

Die Hare-Krishna-Anhänger streben nach einem Leben mit und für Shri Krishna. Wir wollen also in Liebe der höchsten Transzendenz dienen. um auf diese Weise bereits am Ziel zu sein, obwohl wir noch in der materiellen Welt verkörpert sein mögen. Ja, die fortgeschrittenen Transzendentalisten sind bereit, für Shri Krishna in der materiellen Welt zu wirken und verschiedenste Dienste zu verrichten. Es geht also nicht darum, eigensinnig in die Höhe zu streben sondern sich als Diener Gottes zu qualifizieren, um ewiglich in höchstem Bewusstsein glücklich mit Gott und den von Ihm geleiteten Lebewesen zu leben, egal wo Er uns hinstellt. Diese höchste Ebene des Daseins ist unabhängig vom Ort der Handlung. Für die meisten von uns ist es aber gut, wenn wir nach den spirituellen Welten streben, wo Shri Krishna mit Seinen Geweihten in ewig glückselige Spiele vertieft ist.

Zur Untermauerung der Überlegenheit des Gottesdienstes als höchstes Ziel hier der entscheidende Vers aus der vedischen Offenbarung zur Meditation:

jivera ‚svarupa’ haya

krishnera ‚nitya-dasa’

krishnera ‚tatashtha-shakti’

‚bhedabheda-prakasha’

zitiert aus Chaitanya Charitamrita, Madhya-lila 20.108

Übersetzung: Es ist die ewige Natur aller Lebewesen, Krishna zu dienen, weil alle Seelen der marginalen Energie Gottes entspringen und somit von ihrer Beschaffenheit göttlich und gleichzeitig individueller Natur sind.

Jedes Lebewesen ist also seines Glückes Schmied und kann das höchste Glück im Gottesdienst erleben, weil es ja göttlicher Natur ist, und die Natur Gottes ist es zu dienen:

Gott erfüllt die Wünsche aller Lebewesen im Laufe der Zeit (nicht sofort!), ist also Selbst unser höchster Diener. Es ist also nur natürlich, wenn wir Gotteskinder am Gottesdienst teilnehmen, um ewig glückselig leben zu können!!! Träge Charaktere dürfen gerne weiter auf der faulen Haut liegen und müssen damit rechnen, entsprechend ihrer Neigung zum Beispiel als Faultiere verkörpert zu werden.

8. Schlussfolgerung: Sentimentale Verirrungen

Aufgrund von Unkenntnis der individuellen Lage in der Welt verirren sich die meisten Menschen im Streben nach zeitweiligen Vergnügungen oder dem Verbessern der Welt. Gerade die Weltverbesserer tuen sich in der Regel schwer damit, dass die Welt bereits vom besten und mächtigsten Gönner aller Lebewesen geleitet wird. Trotzdem ist es gottgefällig, den Armen zu helfen. Die Haltung, anderen helfen zu wollen, ist zur Erlangung höheren Bewusstseins unabdingbar. Man sollte als Weltverbesserer jedoch wissen, dass die materielle Natur unter göttlicher Verwaltung steht und die Fähigkeiten eines Individuums begrenzt sind. Unsere Erfolge im Sozialdienst beruhen ausschließlich auf der Sanktion Gottes. Ohne Seinen Segen scheitern wir, egal in welchem Unterfangen wir beschäftigt sind.

Darum mögen wir für Shri Krishna leben!!! Dann liegen wir immer richtig und gehen der höchsten Sphäre entgegen. Wie das geht lernt man (sie), wenn man (sie) sich mit der Hare-Krishna-Bewegung beschäftigt und sich insbesondere dem Studium der vedischen Offenbarung widmet, wie sie von Seiner göttlichen Gnade A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada für uns zur Verfügung gestellt wurde.

Ihr Diener

Parivadi dasa